Hans Günter Winkler
erfolgreichster Springreiter und Ehrenbürger der Stadt Warendorf
geboren: 24. Juli 1926 in Barmen
gestorben: 9. Juli 2018 in Warendorf
von Mechtild Wolff (2026)

HGWaWelch ein Fest im Juni 1955! Hans Günter Winkler wurde zum 2. Mal Weltmeister. Nach dem „Wunder von Bern“ im Vorjahr, als Deutschland Fußball-Weltmeister wurde, gab nun auch Winkler der durch den verlorenen Weltkrieg demoralisierten Nation ihren Stolz zurück. Deutschland war wieder eine beachtete Nation in der Sportwelt. Das musste auch in seiner Heimatstadt gefeiert werden. Die Warendorfer waren zu Tausenden auf den Beinen, um den erfolgreichen Springreiter bei seiner Heimkehr an den Toren der Stadt in Empfang zu nehmen. Hier warteten auf den Weltmeister schon geduldig Bürgermeister Josef Heinermann mit den Honoratioren der Stadt und dem Oberkreisdirektor Dr. Schnettler in der mit Blumengirlanden verzierten Kutsche. Im Triumphzug geleiteten sie den Weltmeister Hans Günter Winkler in die Stadt, die mit Fahnen und Wimpeln ihr Festkleid angelegt hatte.

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Die Bevölkerung stand am Straßenrand Spalier und jubelte begeistert dem jungen Sportler zu. Tosenden Applaus gab es, als die Kutsche auf dem Marktplatz einfuhr, angeführt von den Reiterstandarten der örtlichen Reitervereine.

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Wer war dieser Hans Günther Winkler?

Er wurde am 24. Juli 1926 in Barmen geboren. Sein Vater war Stallmeister und Reitlehrer, dadurch erlernte Hans Günter das Reiten schon in frühester Jugend. Der 2. Weltkrieg beendete diese fruchtbringende Zusammenarbeit, sein Vater musste an die Front und fiel in den letzten Kriegstagen an der Westfront. Auch Hans Günter wurde als Flakhelfer eingezogen, geriet in amerikanische Gefangen-schaft, konnte aber zu seiner Mutter nach Kronberg im Taunus fliehen. Dort fand er eine Anstellung als Stallbursche und erteilte Mitgliedern der amerikanischen Besatzungsmacht Reitunterricht, so auch dem Militärgouverneur Dwight D. Eisenhower, der 1953 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde.

Ende der 1940er Jahre nahm Winkler wieder am Turnierreitsport im Nachkriegsdeutschland teil. Hier fiel er Dr. Gustav Rau auf, der ihn nach Warendorf einlud. HGW, wie er in Reiterkreisen später genannt wurde, sah darin die Chance seines Lebens. Er verlud seine drei Pferden in einen Eisenbahnwaggon und fuhr mit der Bahn nach Warendorf, setzte sich am Bahnhof auf das mittlere Pferd und ritt zum Olympiade-Komitee. Dort traf er den Oberlandstallmeister Dr. Gustav Rau auf dem Reitplatz an, der sich aber leider nicht mehr an die Begegnung mit Winkler erinnerte und ihn empfing mit „Wat wills du denn hier?“ Welch ein niederschmetternder Empfang. Gott Dank entschied Rau, dass der junge Reiter drei Monate bleiben durfte, um zu zeigen, was er konnte. Wie wir alle wissen, wurde aus diesen drei Monaten lebenslang.

Winkler konnte allerdings nicht von der Reiterei leben, darum arbeitete er in einer Bauschreinerei. Eine Anstellung als Bankkaufmann - das hatte er gelernt - war nicht zu bekommen. Als Reitlehrer durfte er nicht arbeiten, damit hatte er schon schlechte Erfahrung gemacht, denn 1952 wurde er für die Olympischen Spiele gesperrt, weil er in den 1940er Jahren in Kronberg als Reitlehrer gearbeitet hatte und somit als Berufsreiter galt. Erst nach der Olympiade erreichte der DSB Präsident Willi Daume, dass Winkler in den Amateurstatus zurückversetzt wurde. 

1956 Winkler und Halla GlockeIn Warendorf stellte sich bald heraus, dass Winkler ein Spezialist für schwierige Pferde war. Als 1952 ein neues Pferd für die Olympischen Spiele gesucht wurde, entdeckte das DOKR „Halla“, ein Pferd mit hohem Potential und vertraute es Hans Günther Winkler an. „Halla“, ein ungewöhnliches Pferd, sehr flexibel, aber nicht mit einem Plan zu erfassen, „ein Pferd zwischen Genie und Wahnsinn“, so charakterisiert Winkler „Halla“ gern selbst.

Viele Reiter waren schon an „Hallas“ Charakter gescheitert, „Halla“ galt als unreitbar und Turnier untauglich. Erst HGW hatte das richtige Gefühl für die schwierige Stute und es gelang ihm, sich mit ihr zusammen zu raufen. Er selbst sagte einmal: „Halla“ hat einfach eine Schraube locker, genauso wie ich!“ Seinen ersten sportlichen Höhepunkt erlebte er mit „Halla“ bei den Weltmeisterschaften 1954 in Madrid. Als erster Deutscher überhaupt wurde er mit seiner Wunderstute Weltmeister im Springreiten. Auch 1955 in Aachen wurde Winkler Weltmeister und wurde jetzt zum 2. Mal zum Sportler des Jahres gewählt und 1960 zum Sportler des Jahrzehnts.

 

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Die nächste Chance kam 1956 bei den Olympischen Spielen in Stockholm. Hans Günter Winkler wurde für die Springreiter nominiert und die Deutsche Mannschaft siegte im ersten Durchgang des Mannschaftswettbewerbs. Auch Winkler lieferte einen Null-Fehler-Ritt, zog sich aber am dreizehnten Hindernis einen Muskelriss zu. Welch eine Katastrophe für die aussichtsreiche Deutsche Equipe, die in den 2. Umlauf gehen musste und keinen Ersatzreiter hatte. Um die deutsche Mannschaft mit Alfons Lütke Westhues auf „Ala“, Fitz Tiedemann auf „Meteor“ und Hans Günter Winkler auf „Halla“ nicht aus der Wertung fallen zu lassen, startete Winkler trotz großer Schmerzen zu dem entscheidenden Ritt im Stechen. Jetzt zeigte sich die tiefe Verbundenheit des Reiters mit seinem Pferd „Halla“. Sie erspürte die Situation und trug ihren Reiter als einziges Pferd fehlerfrei ins Ziel, ohne Hilfen von Reiter zu bekommen. Der hatte genug damit zu tun, sich unter Schmerzen im Sattel zu halten. Noch heute schmunzelt man über die damalige Berichterstattung des legendären Hans Heinrich Isenbart, der während des atemberaubenden Rittes sagte: „Und „Halla“ lacht, als wüsste sie worum es geht.“ So konnte Winkler eine Goldmedaille für die Deutsche Mannschaft 1956 Heimkehr aus Stockholm Marktplatz Bild Rotgarnmit nach Hause bringen und eine Goldmedaille in der Einzelwertung. Doppelgold für Deutschland, welch ein Erfolg für eine geschlagene Nation! Es ist nicht zuletzt Winkler zu verdanken, dass Deutschland wieder in die Internationale Sportgemeinschaft aufgenommen wurde.

Es war für seine Heimatstadt Warendorf eine Ehre, Hans Günter Winkler wieder einen triumphalen Empfang zu bereiten und ihn zum Ehrenbürger der Stadt Warendorf zu ernennen. Als prominentester Bürger Warendorfs und Aushänge-schild für die gesamte deutsche Reiterei hat er die Stadt Warendorf nicht nur weltbekannt, sondern auch zur Hochburg des Pferdesportes gemacht.

1995 Hans Günther Winkler 21990 Winkler, Lütke Westhues, Thiedemann

 

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1957 bescherte Hans Günter Winkler den Warendorfern wieder einen Festtag: Er heiratete seine Reiterkollegin Inge Fellgiebel. Ich habe noch heute das Bild vor mir, wie das schmucke Paar in einer offenen Kutsche, die von vier Schimmeln gezogen wurde, zur Christuskirche fuhr. Überall standen Reporter und die Wochenschau filmte die prachtvolle Hochzeit. Nach der Trauung fuhr das junge Paar durch die mit jubelnden Menschen gesäumten Straßen zum Marktplatz, um im Rathaus  vom Bürgermeister und den Honoratioren der Stadt empfangen zu werden - so etwas hatte Warendorf noch nicht gesehen, ja, es war fast so schön wie bei den Royales!

HGW und seine debbyDie Ehe hielt allerdings nur drei Jahre. 1962 heiratete Winkler die Dänin Marianne Gräfin Moltke. Aus dieser Ehe  entstammt der Sohn Jörn (geb. 1965) und die Tochter Jytte (geb. 1967). 1970 wurde auch diese Ehe geschieden und Winkler heiratete die venezolanische Millionärstochter Astrid Nunez, mit der er bis 1986 verheiratet war. Dann traf er die Liebe seines Lebens und heiratete 1994 in vierter Ehe die US-Amerikanerin Debby Malloy. Mit ihr wollte er seinen Lebensabend verbringen, aber das Schicksal hatte einen anderen Plan. Debby wurde 2011 bei einem Reitunfall in der Reithalle auf dem Birkenhof so schwer verletzt, dass sie im Alter von nur 51 Jahren verstarb. Ein schwerer Schlag für Hans Günter Winkler.

Nun lebte der 85Jährige allein in seinem Anwesen „Birkenhof“, umgeben von all seinen Pokalen, mit fünf Gold- und eine Silbermedaillen, die ihn zu einem der erfolgreichsten Olympioniken machten und ihm 2002 die Auszeichnung als weltbesten Springreiter bei Olympischen Spielen einbrachten.

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Zu seinem 90. Geburtstag am 24. Juli 2016 wurde er beim CHIO in der Aachener Soers mit der „Hans Günther Winkler Gala“ gefeiert. Es ritten 125 braune Stuten ein, die an die 125 Siege erinnern sollten, die HGW mit der Wunderstute „Halla“ errungen hatte. In einer Kutsche wurde Hans Günter Winkler unter tosendem Applaus zu einer Ehrenrunde über den Platz gefahren. Welch ein eindrucksvolles Bild auf einem der bedeutendsten Turnierplätzen der Welt, seinem Wohnzimmer, wie Winkler gerne sagte.

Die Stadt Warendorf feierte den 90. Geburtstag ihres Ehrenbürgers mit einem Kutschen-Festumzug durch die Stadt, angeführt von dem „Berittenen Fanfaren-zug“ aus Freckenhorst und den Hellebardieren des Bürgerschützenvereins. Der große Zuspruch aus der Bevölkerung zeigte, wie sehr die Warendorfer „ihre Reitlegende HGW“ schätzten.

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Durch den Reitsport wurde er zu einer internationalen Berühmtheit. Weltweit vernetzt und erfolgreich blieb er aber solide verwurzelt auf seinem Anwesen „Birkenhof“ in Warendorf, seiner Heimat seit 1950. 

 

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Am 9. Juli 2018 verstarb Hans Günther Winkler im Alter von 91 Jahren. An seinem 92. Geburtstag fand eine beeindruckende Trauerfeier statt, zu der sich Winklers Kinder Jytte und Jörn, viele Freunde und die gesamte Reiterprominenz, Vertreter der Stadt Warendorf und Hunderte Bürger in der Bundeswehrsportschule versammelten. Es war sein Wunsch gewesen, „wenn es denn einmal soweit ist“ in einer historischen Beerdigungskutsche aus dem Jahr 1933 vom benachbarten „Birkenhof“ abgeholt zu werden.

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Mit Hans Günter Winkler ist der erfolgreichste Springreiter der Geschichte gestorben. Sein Olympiasieg 1956 mit der Wunderstute „Halla“ hat ihn weltberühmt gemacht. Das ist heute eine Heldengeschichte mit Legendenstatus, die immer wieder gern erzählt wird. HGW blieb bis zum Schluss ein großer Botschafter für den Reitsport. Er beriet die Älteren und förderte die Jugend. Er war nicht immer bequem, aber immer zielstrebig, konsequent und gerecht. Als Reitlehrer hat HGW viele Schüler zu herausragenden Reitern geformt, dabei war er ein kantiger und fordernder Ausbilder, mit dem nicht jeder Schüler zurechtkam. Sein Vermögen hat er in die „Hans Günter Winkler-Stiftung“ eingebracht, die die Nachwuchsförderung für den Spitzensport mit „Horsemanship“ zum Ziel hat.

Hans Günter Winkler hat sich um Warendorf verdient gemacht. Durch ihn erlangte Warendorf als „Stadt des Pferdes“ nationale und internationale Bekanntheit. Ich erinnere mich noch gut an die 1950er Jahre. Wenn wir damals nach unserem Heimatort gefragt wurden, sagten wir ganz bescheiden: „Aus einem kleinen Städtchen bei Münster.“ Das kleine Landstädtchen Warendorf hätte niemand gekannt. Durch Hans Günter Winklers Weltruhm änderte sich das schlagartig und wenn wir Warendorf als unsere Heimatstadt nannten, wussten sehr viele sofort „Oh, daher kommen doch auch Hans Günter Winkler und „Halla.“ Aus dem kleinen Landstädtchen war die international bekannte Pferdestadt Warendorf geworden, das Mekka aller Reiter. Es kamen nun Gäste aus Amerika, Brasilien, Australien und dem Orient nach Warendorf. Das haben wir nicht zuletzt dem erfolgreichen Springreiter Hans Günter Winkler zu verdanken. Der Initiator allerdings war Dr. Gustav Rau. Er brachte das DOKR nach Warendorf und Winkler sorgte für den Glanz.

 

Am 24. Juli 2026 wäre Hans Günter Winkler 100 Jahre alt geworden – ein Tag, an dem wir uns an ihn und seine Verdienste für Warendorf erinnern sollten.

 

Mechtild Wolff

 

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Quellen:

Presseberichte der Westfälischen Nachrichten, der Glocke und der FAZ

Berichte im Internet

 

Bilder: Archiv Kurt Heinermann, Archiv Wolff

 

 

 Persönlichkeiten

Heinrich Blum, von allen "Mister Blum" genannt

Franz Joseph Zumloh, der Begründer des Josephshospitals

Maria Anna Katzenberger und Heinrich Ostermann

Hermann Josef Brinkhaus,
Gründer der Firma Brinkhaus

Eduard Wiemann und die Villa Sophia

Anna Franziska Lüninghaus, Gründerin der Marienstiftung

Wilhelm Zuhorn, Geheimer Justizrat und Geschichtsforscher

Bernard Overberg, der Lehrer der Lehrer

Arthur Rosenstengel, Seminarlehrer, Musikerzieher und Komponist

Pauline Hentze, Begründerin der Höheren Töchterschule

Theresa Kampelmann, die gestrenge Direktorin der Marienschule

Franz Strumann, Pastor und Förderer der höheren Mädchenbildung

Dr. Maria Moormann, die mutige Direktorin der Marienschule

Josef Pelster, der Schulrat und Naturfreund

Wilhelm Diederich, Bürgermeister von 1869-1904

Hugo Ewringmann, Bürgermeister von 1904-1924

Theodor Lepper, Stadtrendant und Retter in den letzten Kriegstagen

Clara Schmidt, Kämpferin für die Frauenliste im Stadtparlament

Elisabeth Schwerbrock, eine hochengagierte Stadtverordnete,

Eugenie Haunhorst, die Kämpferin für ihre Heimatstadt

Paul Spiegel, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland

Paul Schallück, der vergessene Nachkriegsschriftsteller

Gedenkstunde zum 100 Geburtstag Paul Schallücks am 16. 6. 2022

Heinrich Friedrichs, ein Warendorfer Künstler

Theo Sparenberg, Kinokönig und Tanz- und Anstandslehrer

Wilhelm Veltman, Retter der historischen Altstadt

Rainer. A. Krewerth, ein schreibender Heimatfreund

Josef Heinermann, Bäcker und Bürgermeister

Opa Niehues

Gymnasialdirektor
Prof. Dr. Alfons Egen

Siegfried Schmieder - engagierter Heimatfreund mit großem Fachwissen

Dr. Franz Rohleder -
ein begnadeter Lehrer und Heimatfreund

Dr. Franz Kroos

Otto Freund
Engagierter Bürgermeister in den turbulenten Nachkriegsjahren

Änneken Kuntze und ihre Schwester Lilli

Elisabeth Schwerbrock, Stadtverordnete in Warendorf

Anni Cohen und ihre Familie - von Warendorf nach Südafrika und Palästina

Eduard Elsberg erbaute das erste große Kaufhaus in Warendorf

Kurt Heinermann

Joos Brandkamp, Kirchen- und Kunstmaler

Dr. Heinrich Windelen

Hans Günter Winkler -
erfolgreichster Springreiter und Ehrenbürger der Stadt Warendorf

 

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