Vorstellung des Buchs in der Örtlichen Presse:
Kärls un Köppe - Biografien ehemaliger Laurentianer (17. 4. 2021)

Aus der Glocke, Warendorf:
„Kärls un Köppe“: Vom Lau in die Welt

Warendorf (pw) - 16.04.2021

 „Kärls un Köppe“ heißt ein Buch, das vom Heimatverein herausgegeben wird. Die Autoren Klaus Gruhn und Rolf Hartmann beleuchten darin 31 Biographien von interessanten Persönlichkeiten, die das Gymnasium Laurentianum besucht haben und später mehr oder weniger berühmt wurden.

 


Foto: Wild
Die Autoren von "Kärls un Köppe", (vorne. v.l.) Rolf Hartmann und Klaus Gruhn, hatten mit (hinten, v.l.) Mechtild Wolff (Vorsitzende des Heimatvereins), Harald M. Otto (grafische Gestaltung) und Ralph Perlewitz (Verein Alter Laurentianer) wichtige Unterstützer hinter sich. Im Hintergrund ist das "Alte Lehrerseminar" zu sehen, in dem vor dem 1974 bezogenen Beton-Neubau der Unterricht der traditionsreichen Lehranstalt abgehalten worden war. 
Foto: Wild

„Kärls un Köppe, Köpfe und Gestalten“ ist der Titel des Buchs, das am Donnerstag druckfrisch erschienen ist und, so der Untertitel, „Wege aus dem Laurentianum Warendorf in die Welt“ nachzeichnet. Es enthält biographische Aufsätze über 31 Männer aus sechs Jahrhunderten, die die altehrwürdige Oberschule in Warendorf besuchten.

Ehemalige Lehrer gestalten Buch

Die Autoren sind zwei ehemalige Lehrer des Gymnasiums Laurentianum, Rolf Hartmann, der dort 42 Jahre lang unterrichtet hat, und Klaus Gruhn, der mittlerweile 88-jährige frühere Schulleiter (1976 bis 1997). Als dritter Ex-Kollege wirkte Harald M. Otto mit, der als Informatik-Pionier des altehrwürdigen Gymnasiums für das neue Buch die „Formatierung“ gemacht hat – neudeutsch würde man es „Layout“ nennen. Die Gestaltung der Umschlag-Vorderseite lag in den Händen eines ehemaligen Schülers, des vielseitigen Künstlers und Grafikers Benno Sökeland.

Dass es unter den berühmten Köppen nur Kärls gibt, sei keinesfalls einer Diskriminierung des weiblichen Geschlechts geschuldet, sondern hänge damit zusammen, dass sich das Jungengymnasium erst ab 1979 sukzessive für Mädchen geöffnet hatte, betonen die Autoren, wohl wissend, welchen Stellenwert Geschlechtergleichbehandlung in der heutigen Gesellschaft hat.

Seit 100 Jahren „Alte Laurentianer“

Pünktlich wie vereinbart hatte die Freckenhorster Druckerei Burlage die Erstauflagen von 500 Exemplaren am Donnerstagmittag geliefert. An historischer Stätte, der Aula des schmucken Alten Lehrerseminars (1927 bis 1974 Heimstatt des Laurentianums, bevor der Deilmann-Neubau mit Sichtbeton-Zeitgeist bezogen wurde), stellten die Autoren ihr Werk der Lokalpresse vor. 

Mit dabei waren zwei Unterstützer, ohne die laut Gruhn das Projekt kaum realisierbar gewesen wäre: Als Vorsitzende des Heimatvereins hat Mechtild Wolff die Funktion der Herausgeberin übernommen. Sie zeigte sich auf die Geschichten rund um die Lau-Geschichte höchst gespannt: „Abiturienten, das waren ja in Warendorf die Helden unserer Kindheit. Abitur, das war wie Volksfest“, sagte sie.

Und auch Ralph Perlewitz zeigte sich erfreut über die Neuerscheinung. Er war nicht nur als Vertreter der Kulturstiftung der Sparkasse Warendorf gekommen, die das Projekt finanziell gefördert hat, sondern auch als Vorstandsmitglied des Vereins Alter Laurentianer. Wäre nicht Corona, hätte der VAL an diesem Wochenende im Rahmen seiner Jahresversammlung das 100-jährige Bestehen gefeiert, und das Buch hätte dort wohl reißenden Absatz gefunden. Perlewitz will sich aber stark machen, dass die Abiturientia 2021 „Kärls un Köppe“ als Präsent erhält. Übrigens: 2029 wird die alte Lateinschule 700 Jahre alt.

„Toller Bomberg“ Warendorfer Pennäler

Im Buch ist die Vorstellung der 31 Persönlichkeiten chronologisch geordnet. Es beginnt mit Hermann von dem Busche (1468 bis 1534), einem Humanisten, Gelehrten und Dichter aus Sassenberg, und endet mit Paul Spiegel (1937 bis 2006), Journalist, Unternehmer und Präsident des Zentralrats der Juden Deutschland. Dazwischen reihen sich 29 interessante, teils bebilderte Biographien aneinander. Eine der schillernsten ist zweifelsohne die des Gisbert Freiherr von Romberg (1839 bis 1897), der für den Schelmenroman „Der Tolle Bomberg“ von Josef Winckler lebendiges Vorbild war.

Das Buch (ISBN 978-3-9814489-9-3) ist im Buchhandel  für 12 Euro zu kaufen.

 

Pressebericht von Peter Wild in der Tageszeitung „Die Glocke“

 

Aus den WN - Warendorf:
Buch mit 31 Kurzbiografien vorgestellt - Prominenten Ehemaligen Laurentianern nachgespürt

Anlässlich des 100. Geburtstages des „Vereins Alter Laurentianer“ Jahr hat der Heimatverein Warendorf soeben ein Buch herausgegeben. Unter dem Titel „Kärls un Köppe – Köpfe und Gestalten. Wege aus dem Laurentianum Warendorf in die Welt“ stellen die Autoren, Klaus Gruhn und Rolf Hartmann, die viele Jahre am Laurentianum tätig waren und sich der Schule verbunden fühlen, die Lebenswege von 31 Persönlichkeiten vor, die zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert im renommierten Jungengymnasium die Schulbank gedrückt haben.

Von Joke Brocker

Freitag, 16.04.2021

 


Rolf Hartmann und Klaus Gruhn (vorne, v. l.) stellten jetzt am historischen Ort, dem Alten Laurentianum, ihr Buch „Kärls un Köppe – Köpfe und Gestalten. Wege aus dem Laurentianum Warendorf in die Welt“ vor. Für das Layout zeichnet Harald M. Otto (hinten, Mitte) verantwortlich. Der Heimatverein Warendorf mit seiner Vorsitzenden Mechtild Wolff fungiert als Herausgeber. Ralph Perlewitz, Vorstandsmitglied des Vereins Alter Laurentianer, freut sich, dass das Buch rechtzeitig zum 100. Geburtstag des Vereins erschienen ist.
Foto: Joke Brocker

 „Die Abiturienten waren unsere Helden, sie standen über dem Bürgermeister“, erinnert sich Mechtild Wolff, Vorsitzende des Heimatvereins, an Zeiten, in denen in Warendorf Volksfeststimmung herrschte, wenn am Gymnasium Laurentianum die Abiturprüfungen abgeschlossen waren und die Absolventen sich anschickten, in die Welt hinauszuziehen, um dort ihren Mann zu stehen.

Wohin es die Ehemaligen verschlagen hat und was sie aus ihrem Leben gemacht haben, lässt sich im Social Media-Zeitalter natürlich problemlos nachvollziehen. Und seit seiner Gründung vor 100 Jahren bietet auch der „Verein Alter Laurentianer“ den Ehemaligen eine Plattform, sich über gemeinsame Erinnerungen und die individuellen Wege in die Welt auszutauschen.  Doch ehemalige Laurentianer, wie der Sassenberger Humanist, Gelehrte und Dichter Hermann von dem Busche (1468-1534) oder Lucas Nagel (1638-1711), Warendorfer Jesuit und bedeutender Meister barocker Predigtliteratur, wären möglicherweise dem Vergessen anheimgefallen, hätten nicht Klaus Gruhn und Rolf Hartmann ihre Idee verwirklicht, den Schicksalen und Berufswegen dieser Persönlichkeiten nachzuspüren. Bestärkt durch Mechtild Wolff, recherchierten und schrieben sie 31 lesenswerte Porträts, ohne dabei Heldenverehrung zu betreiben. Auswahl treffen, es gibt noch viel mehr namhafte Lauren­tianer“, betonte Hartmann, der für „die vielen klugen Köpfe“, von denen auch er etliche habe unterrichten dürfen, Hochachtung empfindet, bei der Präsentation des Buches „Kärls un Köppe – Köpfe und Gestalten. Wege aus dem Laurentianum Warendorf in die Welt“. Dass das Werk, mitfinanziert von der Kulturstiftung der Sparkasse Münsterland Ost, ausschließlich Lebensbilder von Männern beinhalte, habe nichts mit „Machismo“ zu tun, versicherte er. Das einstige Jungengymnasium nehme erst seit den frühen 1980er-Jahren Mädchen auf.

Viele der 31 Porträtierten lebten als sogenannte Kostgänger in Warendorf. Unter den von 1857 bis 1986 reichenden Listen aller Abiturienten gebe es oft ganze Klassen von Nicht-Warendorfern, berichteten Gruhn und Hartmann. Gisbert Freiherr von Romberg (1839-1897) beispielsweise stammte aus Buldern. In Warendorf erlernte der als Lebemann verrufene „tolle Bomberg“, dem der Schriftsteller Josef Winckler in dem gleichnamigen Schelmenroman ein literarisches Denkmal gesetzt hat, das Reiten. Bei seinem einjährigen Aufenthalt in der Pferdestadt soll er sich im Übrigen nicht nur den Studien, sondern vor allem dem fröhlichen Studentenleben in der Schulstadt gewidmet haben.

Ein nur kurzes Gastspiel am Laurentianum gab der Beckumer Ferdinand Krüger (1843-1915). Obwohl der Schule verwiesen, wurde er ein erfolgreicher Arzt und Wegbereiter des niederdeutschen Romans in Westfalen. Auch Franz Lönne (1845-1903), dem der Schalk so sehr im Nacken saß, dass er schon mal einen Nachruf auf sein Pferd veröffentlichen ließ, wurde Arzt. Nach Ludwig Schupmann (1851-1920), passionierter Sternengucker, Architekt und jüngster Professor in Preußen, wurde ein Mondkrater benannt. Der Lebensweg Engelbert Schückings (1926-2015) führte in den 1960er-Jahren in die USA, wo er sich als herausragender Astrophysiker einen Namen machte. Die Autoren würdigen auch Ex-Laurentianer, die in ihrem Leben durch Zivilcourage hervorgetreten sind. Einer von ihnen ist Albert Coppenrath (1883-1960), der Priester in Berlin war und als „westfälischer Dickkopf am Winterfeldtplatz“ offen gegen die Nationalsozialisten opponierte.

Selbstverständlich ist auch eines der ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Kapitel dem Ehrenbürger Paul Spiegel (1937-2006) gewidmet. Der Journalist, Empresario und Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland hatte das „Lau“ mit der Mittleren Reife abgeschlossen, um in den väterlichen Viehhandel einzusteigen. Eine Entscheidung, die er bei einem Besuch der alten Schule im Jahr 2000 in der Rückschau bedauerte.

 

Pressebericht von Joke Brocker in den Westfälische Nachrichten

 

 

Zum 100. Geburtstag von Dr. Hans Kluck:

Am 23. März 2021 wäre unser ehemaliger Bürgermeister Dr. Hans Kluck 100 Jahre alt geworden. Er war ein bedeutender Bürgermeister, der in guter Zusammenarbeit mit den beiden Stadtdirektoren Dr. Kurt Mertens und Hellmuth Schmeichel das kleine Landstädtchen Warendorf zu einer international beachtete Touristenstadt weiterentwickelte.

Bürgermeister Dr. Hans Kluck (*23. 3. 1921 ; +14. 1. 1990)
Bürgermeister in Warendorf von 1964-1980
von Mechtild Wolff

sein Vorgänger:   Hermann Menge 1961-1964
sein Nachfolger: Dr. Günther Drescher 1980-1994
Stadtdirektor:    Dr. Kurt Mertens 1955-1967
Stadtdirektor:    Hellmuth Schmeichel 1967-1991

 

Dr. Hans Kluck wurde durch sein politisches Engagement zu einem überzeugten Warendorfer. Eigentlich war er Münsteraner, dort war er geboren und aufgewachsen, hatte am Ratsgymnasium sein Abitur gemacht und wollte in Münster Philologie und Kunst studieren. Doch der Beginn des Zweiten Weltkriegs   machte ihm einen Strich durch diese Pläne. Er wurde sehr früh eingezogen und brachte es als Marineflieger zum Offizier, wurde viermal verwundet, überstand aber das Inferno des Krieges. Ende des Krieges heiratete er Irmgard, die schon fertig ausgebildete Zahnärztin war. Jetzt entschloss sich auch Hans Kluck, Zahnmedizin zu studieren und nach Abschluss seines Studiums 1951 eröffnete das Ehepaar Drs. Kluck in Warendorf am Marktplatz eine gemeinsame Zahnarztpraxis. Bald engagierte sich Hans Kluck in der CDU und gewann 1961 ein Ratsmandat. Schon vier Jahre später wurde er zum ehrenamtlichen Bürgermeister gewählt.

Diese Jahre waren geprägt von dem Gedanken der Versöhnung zwischen den Völkern. Tiefe Wunden hatte der Zweite Weltkrieg geschlagen. Erst Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle hatten den Mut und die Weitsicht, das Ruder in Richtung Annäherung umzulegen und unterzeichneten am 22. Januar 1963 den Elysée-Vertrag. Die Ziele des Vertrags wollte man auch in Warendorf mit Inhalten füllen. So wurde bereits am 16. März 1963 in der Emsstadt die Deutsch-Französische Gesellschaft (DFG) aus der Taufe gehoben, die den Kontakt zu der kleinen Stadt  Barentin in der Haute-Normandie herstellte.

1965 im Warendorfer Rathaus bei der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde
 

André Marie (1897–1974) war dort schon seit 1945 der engagierte Bürgermeister, außerdem war er in der Französischen Zentralregierung mehrfach Minister gewesen und sogar französischer Ministerpräsident. Mit seinem Warendorfer Amtskollegen Dr. Hans Kluck fand er schon beim ersten Besuch guten Kontakt, ja sie selbst sagten, als ehemalige Kriegsteilnehmer seien sie „Seelenverwandte“ gewesen. Beide Städte waren an einer „Jumelage“ sehr interessiert und Dank des intensiven Engagements der DFG mit seinem unermüdlich tätigen Vorsitzenden Dr. Clemens Freiburg-Rüter kam es schon am 11. April 1965 im Warendorfer Rathaus zur Unterzeichnung der Partnerschaftserklärung. Damit hatten die Bürgermeister André Marie und Dr. Hans Kluck die Städtefreundschaft zwischen Barentin und Warendorf besiegelt. „Als ehemalige Kriegsteilnehmer und vehemente Verfechter einer deutsch-französischen Aussöhnung unterzeichneten sie in einer beeindruckenden Zeremonie im April 1965 die Partnerschaftsurkunden im Warendorfer Rathaus“, heißt es in einer Warendorfer Chronik. Schnell füllten die Bürger die Partnerschaft mit Leben und schon nach kurzer Zeit hatten viele Familien, Vereine und mehrere hundert Schüler, insbesondere Sportler, die von Theo Busse organisiert wurden, durch Ferienaufenthalte in den Familien die Gastfreundschaft unserer Nachbarn kennen und lieben gelernt. Vertrauen und Freundschaft wuchs auf beiden Seiten. Schon am 26. Mai 1965 kam es zu einem deutsch-französischen Fernseh-Großereignis, als bei der ersten Eurovisionssendung „Spiel ohne Grenzen“ Warendorf gegen das französische Dax antrat und sogar gewann und ein Millionenpublikum amüsierte.

Bürgermeister Dr. Hans Kluck mit dem Fünfkampfpräsidenten Thofel aus Schweden


Stadtdirektor Kurt Mertens mit der hohen Geistlichkeit

Ja, Warendorf bekam in dieser Zeit ganz neue Perspektiven. 1961 war es unter Federführung des engagierten und durchsetzungsstarken Stadtdirektors Dr. Kurt Mertens gelungen, dass sich in  Warendorf der „Deutsche Verband für Modernen Fünfkampf“ gründete (DVMF). Die lange Reitertradition Warendorfs machte es möglich. Die Deutsche Reitschule stellte Pferde für die Fünfkämpfer zur Verfügung, unser schönes Freibad und der neu errichtete Schießstand sowie die Sportanlagen der Bundeswehr boten ideale Trainingsbedingungen für die Sportler, die hohe Leistungen bringen mussten im Springreiten, Schwimmen, Pistolenschießen, Degenfechten und im Geländelauf. Mit finanzieller und ideeller Unterstützung der Stadt entwickelte sich Warendorf zum Zentrum des Modernen Fünfkampfs und war bis 1985 Standort des Bundesleistungszentrums. Die Stadt Warendorf gewann an Bedeutung, hier tagten der Sportausschuss des Deutschen Bundestages und der Sportausschuss des Landtages Nordrhein-Westfalen. Wirtschaftsführer, der Regierungspräsident, Staatssekretäre, Minister und Bundespräsidenten besuchten die Ausbildungsstätten der so erfolgreichen Fünfkämpfer und wurden von Bürgermeister Kluck im Rathaus empfangen und mit einem guten Schluck aus den Silberpokalen geehrt.

 


Reg. Präsident Möcklinghoff mit Bürgermeister Dr. Kluck und Stadtdirektor Hellmuth Schmeichel

 

 

Im Zentrum des Sportgeschehens fühlten sich die Warendorfer, als 1970 die Weltmeisterschaft im Modernen Fünfkampf in Warendorf abgehalten wurde oder 1975 die Weltmeisterschaft im Fallschirmspringen. Welch ein Fest für alle!

Im Jahr 1968 hatte man mit dem Bau eines Bundesleistungszentrums mit Hallenbad begonnen. Dieses wurde 1972 fertiggestellt und schon 1977 fand hier der Internationale Deutschlandpokal der DLRG mit Teilnehmern aus der ganzen Welt in Warendorf statt.

Der 15. November 1974 war ein historischer Tag für Warendorf: Bundesverteidigungsminister Georg Leber legte den Grundstein für die Bundeswehrsportschule. Bürgermeister Dr. Kluck betonte in seiner Glückwunschansprache die herausragende Bedeutung dieser einmaligen Sporteinrichtung für die Stadt Warendorf. Tausende von Berufs- und Zeitsoldaten lernten Warendorf als besonders gastfreundliche und sehenswerte Stadt kennen, zahlreiche sportliche Großveranstaltungen mit internationaler Ausstrahlung fanden hier statt und nicht zuletzt profitierte der heimische Vereinssport von den modernen Anlagen der Sportschule.

 

Verteidigungsminister Leber und das goldene Buch Richtfest beim Bundesleistungszentrum

 

Warendorf - zwischen Tradition und Moderne

 

Für die historische Altstadt in Warendorf entstanden in den 1970er Jahren ganz neue Probleme, der Spagat zwischen Tradition und Moderne musste gelöst werden. Die historischen Bürgerhäuser hatten den Krieg unbeschadet über-standen, nicht aber die Aufbaujahre nach dem Krieg. Schöne Bürgerhäuser an der Freckenhorsterstraße und der Münsterstraße wurden abgerissen, um modernen Geschäfts- und Wohnhäusern Platz zu machen. Nun sollte auch das klassizistische Gebäude des Clubs Harmonie und das Geschäftshaus Jülkenbeck der Betonarchitektur weichen, was Gott Dank verhindert wurde. Die Münsterwallschule mit dem Schlachthof wurde allerdings abgerissen und durch ein modernes Volksbankgebäude ersetzt. Man wollte der Sparkasse nicht nachstehen, die die prächtige Fabrikantenvilla Bispinck abgerissen und ein Bankgebäude mit Waschbetonfassaden erstellt hatte. Die Bürger von Warendorf  waren ganz und gar nicht begeistert. Das „Pöttken zum Überlaufen“ brachte der  Abriss der „Villa Sophia“ am Sassenberger Tor. Die um 1875 erbaute Jugendstil-Villa des Textilfabrikanten Eduard Wiemann und seiner Frau Sophia war in einem unversehrten Zustand in den Besitz der Stadt gekommen, war aber sehr sanierungsbedürftig. Diese Kosten scheuten Verwaltung und Politik und auch Bürgermeister Kluck sprach sich für eine Verbreiterung der Straße an dieser Stelle aus. Trotz massiver Proteste des Heimatvereins, des Denkmalschutzes  und vieler Bürger wurde die Villa abgerissen und Warendorf verlor ein unersetzliches Kleinod. Diesen Sündenfall haben die Warendorfer bis heute nicht vergessen. Auch der alte Wasserturm an der Beelener Straße sollte abgerissen werden, um die hohen Instandsetzungskosten zu vermeiden. Protesten des Heimatvereins und vieler engagierter Bürgern ist es zu verdanken,  dass Warendorf dieses Wahrzeichen erhalten geblieben ist.

Damit aber nicht genug: Nun sollte die Altstadt autogerecht gemacht werden, denn die Entscheidungsträger glaubten daran, dass die Probleme der Einkaufsstadt Warendorf durch bessere Anfahrbarkeit und mehr Parkplätze gelöst werden könnten. Eine breite Autobrücke sollte neben der alten Emsbrücke über den Mühlenkolk geführt werden und eine breite Autostraße durch die Innenstadt gebaut werden. Die westliche Altstadt wäre zerstört worden. Vehemente Proteste verhinderten diese Pläne und gemeinsam mit dem Heimatverein und den neu gegründeten Altstadtfreunden wurde die Schlaufenlösung erarbeitet und die Altstadt durch den späteren Bau der Innerstädtischen Umgehungsstraßen weit-gehend autofrei gestaltet - eine Lösung, die zwar nicht konfliktfrei, aber doch erfolgreich war.

Um das Hochwasserproblem in Warendorf zu lösen wurde Anfang der 1970er Jahre der Emssee gebaut. Er wurde mit dem Emspark zu einer wichtigen und von den Bürgern sehr geliebten Freizeitanlage, ein Eldorado für Spaziergänger, Wassersportler und Erholungssuchende.

 

Die Kommunale Neuordnung

Ein vieldiskutiertes Thema der 1970er Jahre war die kommunale Neugliederung. Die beiden Kreise Warendorf und Beckum sollten zu einem Großkreis zusammengeführt werden. Wie soll der Kreis heißen? Welche Stadt wird den Verwaltungssitz bekommen? Warendorf sah sich als Favorit, nicht nur durch seine geographische Mittelpunktlage im neuen Großkreis, sondern auch wegen seiner langen und erfolgreichen Geschichte als kulturelles und wirtschaftliches Zentrum und seiner Ausstrahlung als Schul- und Sportstadt. Um dieses Ziel zu erreichen, musste Warendorf wachsen! Die Eingemeindungen von Milte und Einen verliefen reibungslos, die Bewohner waren immer schon nach Warendorf orientiert gewesen. Schwieriger gestalteten sich die Verhandlungen mit Freckenhorst, das stolz auf eine lange Geschichte als eigenständige „Titularstadt“ zurückblickte. Erst durch einen Beschluss des NRW-Landtags wurde die Eingemeindung der Stadt Freckenhorst, einschließlich der Gemeinde Hoetmar, gesetzlich festgelegt - sehr zum Missfallen vieler Freckenhorster Bürger. Das Zusammenwachsen dieser beiden Städte sollte Jahrzehnte dauern.  

Am 1. Januar 1975 entstand nun die neue Stadt Warendorf mit jetzt 32 687 Einwohnern und wurde vom Gesetzgeber auch zum Kreissitz ernannt - eine Entscheidung von weitreichender Bedeutung für unsere Stadt. Die schwierigen Verhandlungen waren von Stadtdirektor Hellmuth Schmeichel zielstrebig und geschickt geführt worden. Bürgermeister Dr. Kluck hatte manch angespannte Situation durch seine versöhnliche und oft auch humorvolle Art auf den rechten Weg bringen können. Er ging auf seine Gesprächspartner und ihre Argumente ein, sie fühlten sich von ihm ernst genommen. Von großer Wichtigkeit war auch die gute Zusammenarbeit mit dem Bundestagsabgeordneten Heinrich Windelen und dem Landtagsabgeordneten Richard Winkels.

 


 

All diese Kämpfe waren bei Bürgermeister Dr. Hans Kluck „nicht in den Kleidern hängen geblieben“. Beim Neujahrsempfang 1980 brach er zusammen. Welch ein Glück, dass Dr. Kluck den Internisten Dr. Reinhard Kahlert spontan zum Empfang eingeladen hatte, der rettete ihm durch schnelle Hilfe das Leben. Eine glückliche Fügung!

Sein Bürgermeisteramt gab Dr. Kluck jetzt ab - schweren Herzens, denn er war mit Leib und Seele Politiker. Das würdigte auch die Stadt Warendorf und zeichnete ihn am 23. März 1981 mit der Ehrenbürgerschaft aus. Nun war er der Geehrte, dem eine Seite im Goldenen Buch der Stadt gewidmet wurde. Schon 1966 war er Ehrenbürger der französischen Partnerstadt Barentin geworden und 1977 zeichnete ihn die Bundesrepublik Deutschland für sein erfolgreiches Wirken als Kommunalpolitiker mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Für seine Partei war er immer auf der Suche gewesen nach Männern und Frauen mit gesundem Menschenverstand, die sich mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung „vor Ort“ für eine lebenswerte Gestaltung unserer Heimat einsetzen wollten. Der Heimatverein würdigte seine vielen Verdienste und sein unermüdliches Engagement trotz mancher inhaltlicher Differenzen mit der Ehrenmitgliedschaft und die Feuerwehr machte ihn zum Ehrenbrandmeister.

Ehrenbürger Dr. Hans Kluck  

Dass Warendorf eine moderne Schul-, Sport- und Verwaltungsstadt geworden ist und dadurch sehr an Bedeutung gewonnen hat, ist zweifelsohne auch Bürgermeister Dr. Klucks Verdienst. Trotz vieler Klippen ist es gelungen, dass sich heute die Bürger und die vielen Besucher an der gut erhaltenen Warendorfer Altstadt erfreuen, die mit ihrem mittelalterlichen Straßen- und Stadtbild zu den schönsten Städten im Münsterland zählt.

 

Dr. Hans Kluck verfolgte auch in seiner nachpolitischen Zeit das politische Leben in Warendorf mit großem Interesse und hielt engen Kontakt zu seinem Nachfolger Dr. Günther Drescher. 1990 wollte er seine Tochter in Australien besuchen. Wegen seiner Herzprobleme vermied er die lange Flugreise und buchte mit seiner Frau Irmgard eine erholsame Seereise. In Havanna auf Kuba erlitt er erneut einen Herzinfarkt und verstarb dort am 14. Januar 1990 im Alter von fast 69 Jahren. Zur gleichen Stunde versammelten sich im Warendorfer Rathaus Rat und Verwaltung, viele Bürger und Vertreter der Behörden und Vereine zum jährlichen Neujahrsempfang, zu dem er so oft geladen hatte und wo er vor genau 10 Jahren bei seiner Neujahrsansprache zusammengebrochen war. Nun verbreitete sich die Nachricht vom tragischen Tod des ehemaligen Bürgermeisters wie ein Lauffeuer und ganz Warendorf trauerte um Dr. Hans Kluck, der sich um unsere Stadt und seine Menschen verdient gemacht hat.

 

Ehrenbürger Hans Günter Winkler bei einem Empfang  BM Dr. Kluck und der Oberkreisdirektor Winfried Schulte

In der Nähe der Dr.-Rau-Allee findet man die „Dr.-Hans-Kluck-Straße“, in Erinnerung an den Bürgermeister, der wesentlich dazu beigetragen hat, dass aus dem kleinen Landstädtchen Warendorf ein weltoffenes Mittelzentrum und ein liebenswerter Wohn- und Touristenort wurde.


 

Warum sind die historischen Brinkhaus-Gebäude so wichtig für Warendorf?
von Mechtild Wolff (12. 1. 2021)

Der Heimatverein hat zusammen mit dem Arbeitskreis Emsinsel einen Antrag an den Bürgermeister und den Rat der Stadt gestellt, die historischen Gebäude der Firma Brinkhaus mit der Wagenhalle und dem Pförtnerhäuschen unter Denkmalschutz zu stellen. Warum ist das wichtig für Warendorf?

Warendorf hat Jahrhunderte lang von der Weberei gelebt und mit der Industrialisierung brachte die Textilindustrie Wohlstand in die Stadt und das Umland. 1879 baute Hermann Josef Brinkhaus seine Weberei direkt an die Ems - notgedrungen, denn Webereien brauchten Wasser. Dieser Firmenneubau wurde mit viel Sinn für Schönheit errichtet, gebaut von der Warendorfer Firma Carle´ mit Feldbrandsteinen aus Freckenhorst. Noch heute befindet sich im Giebel des historischen Bürogebäudes ein Sandstein mit der Jahreszahl 1879.

Ja, die Firma Brinkhaus suchte sich immer die besten Baumeister für ihre Firmenneubauten. So auch im Zweigwerk Freckenhorst,  das 1908 von dem bedeutenden Industriearchitekten Phillip Jakob Manz aus Stuttgart gebaut wurde. Bedauerlicherweise wurden die hochwertigen Freckenhorster Fabrikgebäude abgerissen und durch Aldi-Architektur ersetzt. Auch in Warendorf sollen jetzt die letzten Zeugen der textilen Vergangenheit unserer Stadt beseitigt werden.

 

Die Wagenhalle (links) und das Pförtnerhäuschen (rechtes Bild) der Firma Brinkhaus in Warendorf

 

Als die Firma Brinkhaus sich 1950 entschloss, für ihre LKW neue Garagen und für den Pförtner ein Häuschen am Fabrikeingang zu bauen, beauftragte die Geschäftsleitung den sehr angesehenen münsteraner Architekten Heinrich Bartmann mit der Planung.

 

Wer war dieser Heinrich Bartmann? (1898 - 1982)

Er war von 1945 bis 1948 Stadt-Baurat der Stadt Münster und somit an vorderster Front verantwortlich für den Wiederaufbau der völlig zerstörten Stadt. Auch damals schon fand der Kampf zwischen Tradition und Moderne statt. Die münsteraner Architekten wollten ihre eigenen Ideen bei der Gestaltung des Prinzipalmarkts verwirklichen und ihn mit modernen Gebäuden der angesagten Betonarchitektur bebauen. Der kluge Stadtbaumeister Heinrich Bartmann aber konnte sich mit seinen Vorstellungen durchsetzen, den Charakter Münsters zu wahren und den Prinzipalmarkt und anderer Innenstadtbereiche nach alten Vorbildern zu rekonstruieren. Ohne Heinrich Bartmanns ausgeprägten Sinn für Tradition und Schönheit hätte der Prinzipalmarkt seinen einmaligen Charakter wohl kaum erhalten können.

Als 1948 die grundlegenden Planungen zur Gestaltung der Stadt Münster nach seinen Plänen fertiggestellt waren, nahm er einen Ruf als Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt an und widmete sich wieder seinem Beruf als Architekt, plante z.B. Fabrikgebäude und Kirchen und kam so auch nach Warendorf, um für die Firma Brinkhaus tätig zu werden. Sein Auftrag war, am nördlichen Eingang der Stadt eine Wagenhalle, also eigentlich nichts anderes als eine große, zweistöckige Garage für LKW und ein Pförtnerhäuschen zu bauen. Bartmann sah sofort seine Verantwortung, an dieser Stelle keine simplen Zweckbauten zu errichten, sondern eine für die historische Altstadt passende Eingangssituation zu schaffen. Es ist ihm gelungen, große Garagenhäuser zu errichten, die aber straßenseitig hinter zwei Wohneinheiten versteckt wurden. Um eine für die historische Innenstadt von Warendorf passende Eingangssituation zu schaffen, gestaltete er die beiden aus Backstein erbauten Wohneinheiten sehr aufwändig mit vorspringenden Treppenhäusern und Fenstereinfassungen aus Sandstein. Die Symmetrie des gesamten Baus ist sorgfältig abgestimmt auf das dahinter liegende Bürogebäude. Die Garagenhallen, die heute von der Feuerwehr genutzt werden, verschwinden im Hintergrund und sind nur vom Fabrikgelände aus zu sehen. Welch eine geniale Städtebaukunst zum Wohle eines stimmigen nördlichen Eingangs in unsere Stadt.

 

Es ist Gefahr im Verzug!

Nun wurde am 25.06.2020 von der damaligen Ratsmehrheit in der sog. „Warendorfer Position“ beschlossen, dass diese Gebäude abgerissen werden sollen, um Platz für ein modernes Hotel zu machen. Wird es ein Gewinn für unsere Stadt sein, einen modernen, wahrscheinlich beliebigen Stadteingang zu bekommen? Ist es verantwortbar, wichtige Zeitzeugen der 1950er Jahre abzureißen? „Das einzige weitere Gebäude in Warendorf aus dieser Zeit mit einem vergleichbaren Architekturwert ist das Theater am Wall. Beide Gebäude sind bei völlig unterschiedlicher Funktion im besten Sinne ihrer Zeit gemäß entstanden. Das Theater am Wall wurde aus diesem Grund unter Schutz gestellt, während die Wagenhalle bisher lediglich als erhaltenswert eingestuft wurde. Das dritte namhafte Bauwerk Warendorfs aus jener Zeit ist die Marktbrücke, die mit der benachbarten Wagenhalle und dem Pförtnerhaus nahezu als ein städtebauliches Ensemble angesehen werden kann.“ So beschreibt Klaus Ring sehr treffend die Situation.

2020: herausgerissene Fenster aus dem Bürogebäude Brinkhaus
 

Auch die unter Denkmalschutz stehende Fassade des historischen Bürogebäudes ist in Gefahr. Es wäre nicht das erste Mal, dass solch eine Fassade einstürzt, wenn erst einmal die stützenden Wände abgebrochen wurden. „Welch ein Pech!“ sagt man dann und kann stattdessen eine moderne und kostengünstigere Bauweise verwirklichen. Dass auch die historische Fassade dem Investor ein Dorn im Auge ist, konnte man Anfang 2020 sehen, als viele Fenster mutwillig und klammheimlich herausgerissen wurden und sich wochenlang niemand um den entstehenden Wasserschaden kümmerte. Erst als besorgte Bürger vehement protestierten wurde ein provisorischer Wetterschutz eingebaut.

Damit in Warendorf die letzten Spuren der Weber-Vergangenheit erhalten bleiben, hält der Heimatverein und der Arbeitskreis Emsinsel die Unterschutzstellung der historischen Gebäude der Firma Brinkhaus mit den Sheddach-Hallen von 1879 und der Wagenhalle und dem Pförtnerhaus für dringend geboten. Wir hoffen sehr, dass die Politiker zu einem Umdenken bereit sind und auch die Wagenhalle aus dem Versteck hinter der hohen Hecke hervorholen und durch eine neue Nutzung diesen Stadteingang wieder aufwerten.

Mechtild Wolff

Vorsitzende des Heimatvereins Warendorf

 

Bilder: Mechtild Wolff, Walter Suwelack (Brinkhaus Bürogebäude)

 

Brief an den Bürgermeister Herrn Horstmann  und Antrag des Heimatvereins Warendorf und des Arbeitskreises Emsinsel bezüglich der Zukunft der Emsinsel und des Emsseeparks

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Horstmann,

wie Ihnen ja bekannt ist, machen sich der Heimatverein und der AK Emsinsel große Sorgen, dass die Entwicklung auf der Emsinsel in eine für Warendorf schädliche Richtung läuft. Unsere Stadt hat Jahrhunderte lang von der Weberei gelebt und die Firma Brinkhaus hat Warendorf entscheidend geprägt. Die sog. „Warendorfer Position“ aus 2020 zeigt deutlich, dass nun alle Spuren der Textilgeschichte beseitigt werden sollen. Bedauerlicherweise steht auf dem Gelände Brinkhaus nur die Fassade des historischen Bürogebäudes von 1879 unter Denkmalschutz und wenn ich die Ereignisse des letzten Jahres richtig deute, wird bei der Neugestaltung der Emsinsel nur diese Fassade stehen bleiben. Dass sie schon jetzt dem Investor ein Dorn im Auge ist, konnte man Anfang 2020 sehen, als viele Fenster mutwillig und klammheimlich herausgerissen wurden und sich wochenlang niemand darum kümmerte – auch nicht unser Bauamt. Erst als Bürger vehement protestierten wurde ein provisorischer Wetterschutz eingebaut.

Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Fassade bei den Bauarbeiten einen „Unfall“ erleiden wird und einstürzt und die Verantwortlichen sagen dann „schade“ und das Problem ist vom Tisch und einer unbehinderten „modernen“ und dadurch kostengünstigeren Bebauung steht nichts mehr im Wege.

Darum halten wir es für unbedingt erforderlich, dass sich die Stadt Warendorf für einen weitergehenden Denkmalschutz für die Fabrikgebäude und die Wagenhalle mit dem Pförtnerhäuschen – s. Antrag – einsetzt.

Das ist nicht im Sinne des Investors, das ist uns bekannt. Politik und Verwaltung sollten aber die Interessen unserer Stadt verfolgen und ich kann mir nicht vorstellen, dass unsere Bürger und die zahlreichen Touristen ein modernes Hotel an dieser Stelle als einen Gewinn für das Ambiente der historischen Altstadt ansehen. Warendorf wird dann beliebig. Die Vergangenheit lehrt uns, dass nur die Projekte, bei denen wir die historische Substanz mit neuem Leben gefüllt haben, von Erfolg gekrönt waren. Die Versuche, bei denen die „Moderne“ in die Altstadt einziehen sollte, sind samt und sonders gescheitert. Können die Entscheidungsträger einen erneuten Versuch mit gesichtsloser Bebauung an dieser so wichtigen Stelle verantworten?

In der Hoffnung auf ein Umdenken

und mit den besten Wünschen für ein erfolgreiches Jahr zum Wohle unserer schönen Stadt

grüßt Sie herzlich

Mechtild Wolff

Vorsitzende des Heimatvereins Warendorf e.V.

 

 

Der Antrag  des Heimatvereins Warendorf und des Arbeitskreises Emsinsel im Wortlaut:

Heimatverein Warendorf e.V.                                                                             5. 1. 2021
Arbeitskreis Emsinsel

 

 

 

An den Bürgermeister der Stadt Warendorf

Herrn Peter Horstmann

und an den Rat der Stadt Warendorf                                                                   

Lange Kesselstraße

48231 Warendorf

 

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Horstmann,

sehr geehrte Damen und Herren des Rates der Stadt Warendorf

 

Antrag:


Der Heimatverein Warendorf und der Arbeitskreis Neue Emsinsel beantragen, die historischen Firmengebäude der Firma Brinkhaus von 1879, Breuelweg 5 und die Wagenhalle mit dem Pförtnerhäuschen, Zwischen den Emsbrücken 2 in Warendorf, in die Denkmalliste der Stadt Warendorf einzutragen.

 

Historische Gebäude der Fa. Brinkhaus von 1879

und die Wagenhalle mit dem Pförtnerhäuschen von 1950

Zeichnung: Klaus Ring

 

 

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Horstmann,

sehr geehrte Damen und Herren des Rates,


im Jahr 1879 erbaute Hermann Josef Brinkhaus in der stadtnahen Emsaue, heute „Emsinsel“ genannt, die mechanische Weberei H. Brinkhaus. Diese Firma bestand bis 2011 und war der wichtigste Arbeitgeber in Warendorf. Die Firma Brinkhaus hat die Textilstadt Warendorf entscheidend geprägt.

Bis heute sind neben vielen neueren Produktionshallen auch die Bürogebäude von 1879 (die Fassade des Bürohauses steht unter Denkmalschutz) mit den Sheddach-Hallen erhalten. Dabei handelt es sich um Sheddächer, die mit viertelkreisförmigen Dachkonstruktionen abschließen und dadurch diesen Hallenräumen ein besonderes Flair verleihen.

Diese Firmengebäude sind die letzten Spuren der für Warendorf wichtigen Textilindustrie und stellen die letzten Zeitzeugen dieser Epoche in Warendorf dar. Die Fabrikgebäude der anderen Textilfirmen wurden ausnahmslos abgerissen.

Nun besteht auch bei der Firma Brinkhaus die Gefahr, dass die historische Bausubstanz abgerissen wird, um einer modernen Verwertung Platz zu machen. Das wäre ein großer Verlust für Warendorf, denn dann wären fast alle Spuren einer wichtigen Epoche in unserer Stadt verloren.

Unser Antrag auf Unterschutzstellung gilt für die historischen Gebäude von 1879 und für die Wagenhalle mit dem Pförtnerhäuschen (s. Zeichnung oben).

Die Wagenhalle, 1950 erbaut von dem Münsteraner Architekten Professor Heinrich Bartmann, ist als Industriedenkmal ein charakteristisches Gebäude ihrer Zeit von hohem Seltenheitswert und dokumentiert durch ihre ursprüngliche Funktion, ihre gestalterische Qualität, sowie ihren Standort vor der Firma Brinkhaus diesen für Warendorf bedeutendsten Textilindustriestandort in besonderer Weise. In unserer Stadt existiert mit Ausnahme des denkmalgeschützten Theaters am Wall kein vergleichbares Gebäude aus den 1950er Jahren. Die Wagenhalle mit dem Pförtnerhaus ist als erhaltenswert eingestuft.

Ein Abriss dieses Objektes wäre ein erheblicher Verlust für das städtebauliche Gefüge im nördlichen Eingangsbereich der Altstadt und stünde damit dem Anspruch der Stadt Warendorf als anerkannter Historischer Stadtkern eklatant entgegen.

Wir hoffen sehr, dass Sie unser Anliegen nachvollziehen können und unserem Antrag stattgeben.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

Mechtild Wolff für den Heimatverein Warendorf e.V.

Sigfrid Krebse und Alfred Kiel für den Arbeitskreis Emsinsel

(zum AK Emsinsel gehören u.a.: Heimatverein Warendorf e. V.; Altstadtfreunde Warendorf e. V.; Kneipp–Verein Warendorf e.V.; BUND-Kreisgruppe Warendorf; NABU Kreisverband Warendorf und das Team Brinkhaus)

 

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