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| Josephs-Hospital mit dem ersten Anbau 1846 | Das Josephs-Hospital inmitten von Wohnhäusern |
Am 16. November 1843 wurde das „Josephs-Hospital“
unter großer Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht und sein
Stifter Franz Joseph Zumloh von den dankbaren Warendorfer
Bürgern begeistert gefeiert. Nun begann eine neue Ära in dem
kleinen Landstädtchen mit seinen 4.000 Einwohnern. 30 Kranke
konnten in vier großen Zimmern mit je sechs Betten und fünf
kleineren Zimmern stationär behandelt und gepflegt werden, dank
des unermüdlichen Einsatzes der vom Gründer eingesetzten
Clemensschwestern, die auch im Haus wohnen konnten. Die sechs
Schwestern übernahmen die Pflege der Patienten, hielten das
Krankenhaus in peinlicher Sauberkeit und Ordnung, machten die
Wäsche, sorgten für gutes Essen aus eigener Küche und pflegten
den Garten, wo Obst und Gemüse in Hülle und Fülle wuchs. Wie
gut, dass Franz Joseph Zumloh noch miterleben konnte, dass sein
Werk gedieh. Schon 1846 wurde das östlich gelegene Nachbarhaus
gekauft und umgebaut. Jetzt konnten 65 Kranke gepflegt werden.
Es ist überliefert, dass 1851, also drei Jahre vor dem Tod des
Stifters, 328 von 431 Patienten geheilt werden konnten, in einer
Zeit, als es noch kein Penizillin und nur ganz einfache
OP-Möglichkeiten gab. Durch die großzügige finanzielle
Ausstattung der Stiftung war es möglich, mittellosen Kranken
eine kostenlose Behandlung zu gewähren. Die Anzahl der Patienten
wuchs und wuchs, sodass schon 1867 der zweite Anbau nötig wurde.
90 Betten standen nun in geräumigen Zimmern zur Verfügung, die
sogar eine Gaslampen-Beleuchtung hatten. Das Krankenhaus konnte
einen zweiten Arzt einstellen, der ausschließlich für die
Operationen zuständig war. Die Clemensschwestern richteten nun
auch eine kleine Kapelle ein, in der jeden Morgen eine Hl. Messe
gelesen wurde und wo die Kranken Trost und göttlichen Beistand
fanden. Die Oberaufsicht hatte nach wie vor das Kuratorium.

Das Josephs-Hospital mit dem schönen Park (Photo Rosenstengel)
Zum 50jährigen Bestehen 1893 verkündete das Krankenhaus
stolz, dass bislang schon 14.000 Patienten behandelt wurden. Die
Zahl der Patienten wuchs, sodass 1902 eine erneute Erweiterung
auf 120 Betten stattfand. In den Folgejahren bekam Warendorf
eine zentrale Wasserversorgung und die Gaslampen wurden durch
elektrisches Licht ersetzt. Nun konnte auch ein Röntgengerät
angeschafft werden und seit 1911 gab es sogar ein Telefon –
welch ein Fortschritt.

Das Josephs-Hospital füllte nun fast das ganze Quartier
zwischen Lüningerstraße, Krückemühle und Hohe Straße aus. Es gab
sogar eine eigene Leichenhalle. Im Innenhof befand sich nun eine
von den Nonnen stets gepflegte Gartenanlage, wo die Patienten
Erholung und Unterhaltung finden könnten.
Für den Anbau von Obst und Gemüse war an der
Lüningerstraße allerdings kein Platz mehr, darum kaufte das
Kuratorium des Josephs-Hospitals den Josephshof an der
Sassenberger Straße 37. Er wurde von einem Ackerer
bewirtschaftet. So wurde die Krankenhausküche immer mit frischem
Obst und Gemüse und Blumen versorgt. Die Lage des Josephshofs
hatten die Clemensschwestern klug gewählt. Er lag in
unmittelbarer Nachbarschaft zum Sophienstift, der vom Ehepaar
Wiemann 1903 ererbten Villa, die den Clemensschwestern lange als
Wohnsitz diente.

Das Josephs-Hospital 1916 - so hat es zuletzt ausgesehen - man
kann das Gründungsgebäude mit der Eingangstür und die beiden
ersten Anbauten gut erkennen
Die 1920er Jahre brachten gute und schlechte
Ereignisse. Eine große Erleichterung war eine Zentralheizung,
die 1922 eingebaut wurde. Bislang musste in jedem Krankenzimmer
ein Ofen geheizt werden und mehr als ein Mann sorgte dafür, dass
die Öfen nachgelegt und sauber gehalten wurden. Nun musste nur
noch der Kessel mit Koks gefüttert werden und alte Warendorfer
werden sich noch an Franz Vorderlandwehr erinnern, der seit
Kriegsende der Heizer vom Dienst war und gerne den Kinderschreck
spielte, wenn diese ihn durch das Kellerfenster wegen seines
rußgeschwärzten Gesichts veräppeln wollten.
Die Weltwirtschaftskrise 1923 ging auch nicht spurlos
an Warendorf vorbei. Das Josephs-Hospital geriet in finanzielle
Schwierigkeiten, die Patienten konnten nur noch in Naturalien
bezahlen und auch das Krankenhaus entlohnte sein Personal in
Naturalien. Aber die Warendorfer Bürger und Unternehmer wollten
ihr Krankenhaus auf keinen Fall gefährden und steuerten nach
Kräften Geldmittel bei. Auch die Bauern aus Gröblingen, Velsen
und Vohren brachten Naturalien und sicherten sich so die
Aufnahme der Landbevölkerung in das Krankenhaus.
Im 2. Weltkrieg wurde das Hospital mit seinen religiös
fundierten und mutigen Nonnen von großer Wichtigkeit. Schon in
der Reichspogromnacht am 9. November 1938 nahmen die
Clemensschwestern alle verletzten Juden auf und die Warendorfer
Ärzte behandelten sie. Von Dr. Gronover, dem HNO-Arzt, wird
erzählt, dass er den Juden Hugo Spiegel und den Viehhändler
Julius Ansbacher ärztlich versorgte und sogar eine Wache vor das
Krankenzimmer stellte, damit die SA keine Rache üben konnte.
Während des Krieges war das Josephs-Hospital für viele verletzte
Soldaten ein heimatnaher Zufluchtsort. Mutig retteten die
Schwestern so manchem Soldaten das Leben.

1950 - Das Kreiskrankenhaus an der Tönneburg
Nach dem Krieg war die Entwicklung rasant. Viele neue
Abteilungen kamen hinzu sodass zu den 28 Clemensschwestern noch
12 weltliche Krankenschwestern eingestellt werden mussten.
Die Einwohnerzahl der Stadt Warendorf war durch die Flüchtlinge
auf 12.000 angewachsen, kein Wunder, dass das Krankenhaus aus
allen Nähten platzte. Viele Kriegsverwundete und ausgemergelte
Flüchtlinge verschärften
die Lage. Nun war guter Rat teuer, denn in der Innenstadt war
für eine Erweiterung kein Platz mehr. Als erste Notmaßnahme
wurde an der Tönne-
burg
in den Gebäuden der Remonte das sog. „Kreiskrankenhaus“
eingerichtet, das wegen seiner schönen Lage im Grünen bei den
Patienten sehr beliebt war. Das konnte aber keine Dauerlösung
sein, denn spätestens seit der Aufstellung der Bundeswehr wurden
die Gebäude wieder für die Soldaten gebraucht.
Anfang
der 1960er Jahre entschloss sich das Kuratorium, vor den Toren
der Stadt ein ganz neues Krankenhaus zu bauen. Auf dem Gelände
des Josephshofs gab es genug Platz und am 16. November 1968,
pünktlich zum 125jährigen Bestehen des Josephs-Hospitals, konnte
der Neubau, für den 20 Millionen Mark aufgewendet worden waren,
bezogen werden. Nun standen 337 Betten zur Verfügung, ein
moderner Behandlungstrakt mit mehreren OP-Sälen, eine Ambulanz
mit Notfallversorgung und eine schöne, große Kapelle, in der
regelmäßige Hl. Messen gefeiert wurden. Neben dem Krankenhaus
wurde ein Heim für das Pflegepersonal gebaut, das so auch
außerhalb der Dienstzeit für Notfälle schnell zur Verfügung
stand. Für die Organisation des Hauses war der Rendant Paul
Wemhoff verantwortlich, die ärztliche Leitung lag für die
Chirurgie bei Dr. Wilhelm Weritz und für die Innere Medizin bei
Dr. Karl Drerup und später bei Dr. Reinhard Kahlert. Die
Warendorfer Fachärzte hatten Belegbetten in Krankenhaus, wie der
Hausarzt Dr. Hermann Busse, der Augenarzt Dr. Dietrich
Wesselmann, der HNO-Arzt Dr. Heinz Schürmeyer, der Frauenarzt
Dr. Alfred Voß und Dr. Wolfgang Montag, der Urologe Dr. Eberhard
Hallermann und Dr. Thomas Weritz, der Orthopäde Dr. Rainer
Eselgrim und viele mehr.
Der Neubau hatte natürlich eine moderne Ölheizung
bekommen, da wurde Franz Vorderlandwehr als Heizer nicht mehr
gebraucht. Er wurde nun „Kalfaktor“, eine Aufgabe, die er mit
Herzblut ausfüllte. Er schippte den Schnee, fegte die Treppen
und Straßen und merkte sofort, wenn jemand sein Tempotaschentuch
auf die Straße geworfen hatte. Nie hätte es bei ihm einen
Grashalm in den Fugen oder Dreck in den Ecken gegeben. Das wurde
anders, als er in Rente ging – die professionellen Firmen sehen
das nicht so eng.
Das Haus wuchs und wuchs. Im Jahr 2000 hatte das
Josephs-Hospital schon 440 Mitarbeiter und war damit der größte
Arbeitgeber in Warendorf. Die moderne Medizin wurde immer
perfekter, stellte aber auch immer höhere Ansprüche. Die
Stiftung von Franz Joseph Zumloh war zwar eine solide Grundlage,
reichte aber bei den neuen Anforderungen bei weitem nicht aus.
Woher das Geld nehmen, auch die Einnahmen reichten nicht für die
Modernisierungen. Darum verkaufte das Kuratorim einen Teil des
Grundstücks als Baugrundstücke. Auch vom Josephshof trennte man
sich, denn das Krankenhaus hatte keine eigene Küche mehr. Der
ehemalige Pächter Hardensett erwarb den ihm so vertrauten Hof
und machte einen schönen Pferdehof daraus. 2001 wurde das erste Gesundheitszentrum gebaut mit
Praxen für Fachärzte und einer Krankenhaus-Apotheke. Das
Josephs-Hospital arbeitete eng mit der Uni-Klinik zusammen und
wurde akademisches Lehrkrankenhaus.

Das Kuratorium 2019 mit dem Kurator Rainer Budde und Doris
Kaiser als Stellvertreterin, Peter GGoederler als Rendant Und
Dr. Dorsel als ärztlicher Direktor
Ende der 2010er Jahre investierte das Kuratorium 30
Mio. Euro in einen achtstöckigen Anbau mit einer repräsentativen
Empfangshalle und mit einem zweiten Gesundheitszentrum. Auch die
Geräte wurden auf den modernsten Stand gebracht. Das
Josephs-Hospital verfügte nun über 241 Betten und beschäftigte
950 Mitarbeiter. Das war ganz gewiss ein großer Fortschritt.
Allerdings zeigte sich jetzt, wie kurzsichtig die
Grundstücksverkäufe gewesen waren, denn durch die Ausweitungen
ergab sich ein gravierendes Parkplatzproblem, das auch durch
Parkraumbewirtschaftung nicht gelöst wurde und zu großem Unmut
in der Bevölkerung führte.


Das neue Entree des Joseph-Hospitals
Die Finanzlage wurde immer prekärer, sodass im Dezember
2024 erstmalig ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt
werden musste. Zähe Verhandlungen begannen um einen neuen
Investor, die Franziskus-Stiftung, die Uniklinik und die
Alexianer lehnten leider ab und im August 2025 wurde bekannt,
dass die AMEOS Gruppe mit Sitz in Zürich, ein Investor für
Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in Deutschland,
Österreich und der Schweiz, das Josephs-Hospital Warendorf
einschließlich aller Tochtergesellschaften übernehmen will. Im
Oktober 2025 wurde Ameos neuer Besitzer des Krankenhauses. Nach
182 Jahren endet die Eigenständigkeit des Josephs-Hospitals.
Leider trennte sich der neue Besitzer von dem
traditionsträchtigen Namen „Josephs-Hospital“ und seit dem 1.
Januar 2026 heißt das Krankenhaus nun „AMEOS Klinikum Warendorf
„Joseph Zumloh“. Sehr schade – und nicht einmal der vollständige
Name des Gründers Franz Joseph Zumloh wurde übernommen.
Ob der neue Besitzer unserem Krankenhaus Erfolg bringt,
wird die Zukunft weisen.

Die großzügige Eingangshalle des Josephs-Hospitals
Mechtild Wolff 1. Januar 2025
Quellen:
Gabriele AusteDie Entwicklung des Medizinal- und
Gesundheitswesens in Warendorf von 1880-1945 in Geschichte der
Stadt Warendorf Band III 2000
Dr. Paul Leidinger: Warendorf in alten Ansichten 1977
Alfred Kaup und Rainer A. Krewerth: Warendorf, Bilder
einer Stadt 1979
Laurenz Sandmann: Warendorf, wie es früher war
2000
Christoph Ackfeld: Jetzt ist das Josephshospital
Geschichte – Artikel in der Tageszeitung „Die Glocke“ vom
31.12.2025 und andere Pressebeiträge
Der erste Warendorfer Friedhof außerhalb der
Stadtmauern wurde 1810 in der Nähe des Osttors angelegt. Vorher
wurden die Toten auf dem „Kirchhof“ begraben, also um die Kirche
herum. Als der Friedhof am Osttor zu klein wurde, richtete die
Stadt ein größeres Friedhofsgelände an der Breiten Straße ein.
Auf dem ehemaligen Friedhof am Osttor entstand der
„Zumloh-Park“.

Als Sohn eines Textilkaufmanns wuchs an der Oststraße
Nr. 4 auf. Auch er wurde ein erfolgreicher Textilverleger und
mehrte das von den Eltern begründete Vermögen. Ja, er wurde
wohlhabend. Zumloh blieb aber ein anspruchsloser, bescheidener
Mensch, der tief verwurzelt war im christlichen Glauben. Mit
seinem Vermögen half er den Armen und Notleidenden, wo er
konnte.
Und die Not war groß in jenen Tagen. In vielen
Tagelöhner-Familien reichte das Geld nicht für das tägliche
Brot. Erdrückend wurde die Not, wenn der Ernährer erkrankte. Der
Tagelohn blieb aus, es fehlte an gesunder Nahrung und die Pflege
der Kranken war unzureichend. An Geld für den Arzt und für die
Arznei war gar nicht zu denken. Krankheit bedeutete damals für
die meisten Familien grenzenlose Verelendung.
Franz Joseph Zumloh half, wo er Not und Elend fand.
Seine Freigebigkeit und seine Sorge für die leidenden
Mitmenschen waren bald allen Bürgern in der Stadt bekannt.

das erste Josephs-Hospital in Warendorf
Um die Not der Schwerkranken zu lindern begründete
Franz Joseph Zumloh an der Lüningerstraße ein Hospital, das
allen Kranken und Gebrechlichen zur Aufnahme offen stehen
sollte. Eine Stiftung von 53 000 Thalern „zur Minderung des
kränklichen Zustandes“ sollte das Krankenhaus finanziell
absichern.
Bei der feierlichen Einweihung des Hospitals am 16.
November 1843 übertrug Zumloh die Verwaltung des Hauses einem
Kuratorium. Sein Vetter Franz Zumloh hatte das Kuratorium aus
ehrbaren Warendorfer Bürgern zusammengestellt und war der erste
Kurator. Die Schlüssel des Krankenhauses überreichte Franz Josef
Zumloh zwei Clemensschwestern und übertrug ihnen damit die Sorge
für die Kranken. Seinem Stifter zu Ehren wurde das Krankenhaus
„Josephs-Hospital“ genannt.
Um ihrem Wohltäter zu danken zogen die Warendorfer
Bürger am Abend dieses denkwürdigen Tages in einem prächtigen
Fackelzug zu seiner Wohnung an der Oststraße.

Als Zeichen ihrer besonderen Verehrung überreichten sie
ihm eine zwölfzackige, aus Silber getriebene Krone. Tief bewegt
nahm Franz Joseph Zumloh die Bürgerkrone entgegen.
Im Stirnteil der
Krone las er die Inschrift:
„Was Ihr einem
dieser meiner geringsten Brüder gethan habt,
das habt Ihr mir
gethan“.
Unter dem
Stadtwappen fand er die Widmung:
„Dem edlen Bürger.
Die dankbare Bürgerschaft“.
Eine solche Ehrung war noch nie einem Warendorfer
Bürger zuteil geworden.
Auch
der Preußische König würdigte Franz Joseph Zumlohs Verdienste
durch die Verleihung des Roten Adlerordens. Als König Friedrich
Wilhelm IV. von Preußen 1847 auf der Durchreise in Warendorf
Station machte, wurde ihm zu Ehren ein Empfang im Festsaal der
„Gesellschaft Harmonie“ gegeben, bei dem der Stifter des
Josephs-Hospitals dem König vorgestellt wurde.
1854 starb Franz Joseph Zumloh hochbetagt. Er wurde
unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung auf dem Ehrenplatz in
der Mitte des Friedhofs am Osttor beigesetzt, dort, wo noch
heute der Obelisk an ihn erinnert.
In der Eingangshalle des heutigen Josephs-Hospitals
erinnert sein Bild und die dort ausgestellte Bürgerkrone an den
Stifter des Krankenhauses und den großen Wohltäter unserer
Stadt.
Die Stadt ehrte ihn mit einer Straßenbenennung, mit der
„Zumlohstraße“.
Bilder : Mechtild Wolff
Bild altes Krankenhaus : Geschichte der Stadt Warendorf
Leise
rieselt der Schnee,
still und starr ruht der See,
weihnachtlich glänzet der Wald,
freue dich, Christkind kommt bald.
Bei diesem Lied wussten wir: „Jetzt ist Advent.“ Aus Tannengrün
legten wir auf dem Tisch einen Kranz und verteilten vier rote
Kerzen darauf. An jedem Adventssonntag wurde abends eine neue
Kerze angezündet und Adventslieder gesungen.
In den Straßen der Stadt gab die nur sparsame Beleuchtung noch
keinen Hinweis auf das bevorstehende Weihnachtsfest.
Straßendekorationen gab es erst viele Jahre später, nach dem
Zweiten Weltkrieg.
Die Dekoration der Schaufenster war nicht aufwändig, aber
zweckmäßig. In den Schaufenstern wurden all die begehrenswerten,
schönen Dinge gezeigt, die vorrätig waren; ein Warenlager gab es
selten. Was verkauft wurde, nahm man aus dem Fenster. Bis
Weihnachten leerten sich die Schaufenster.
Wir Kinder schrieben natürlich einen Wunschzettel an das
Christkind im Himmel und legten ihn in den Briefkasten. Unserer
kindlichen Phantasie waren keine Grenzen gesetzt. Ich bin in
einer Lehrerfamilie mit fünf Kindern aufgewachsen. Unsere Mutter
erledigte mit geheimnisvoller Geschicklichkeit all die
Vorbereitungen für das Fest. Nach einem Einkauf huschte sie
schwer
bepackt an uns vorbei und verschwand im Schlafzimmer. Dieser
Raum war für uns tabu.
Wir Kinder bastelten viele Weihnachtsgeschenke in der
Adventszeit.
Unsere selbstgemachte Krippe war eine Laubsägearbeit in Form
eines Trypticons (ein dreiflügeliges Bild), an der wir jedes
Jahr wieder Freude hatten.
Die Familienkrippe hatte Figuren aus Stein. Sie wurde schon
einige Tage vor Weihnachten von uns Kindern mit Moos und
Tannengrün auf dem Klavier aufgebaut. Natürlich ohne das
Jesuskind. Es musste ja noch geboren werden. Auf geheimnisvolle
Weise lag es dann zur Bescherung am Weihnachtsmorgen in der
Krippe.
Wenn wir Jüngeren mit sehnsüchtigen Augen sangen: „Einmal werden
wir noch wach, heißa dann ist Weihnachtstag“, dann war der
Heilige
Abend
gekommen. Vor dem „frühen“ zu Bett gehen stellten wir unseren
Teller im Esszimmer auf den gedeckten Tisch. Unser Vater schrieb
mit schöner Schrift die Namen der Kinder auf einen Zettel, den
wir dann auf unsere Teller legten. Wenn alle Kinder schliefen,
konnte Vater den im Keller versteckten Tannenbaum heraufholen
und ihn mit Kerzen und Lametta, süßen Figuren, Plätzchen und
roten Äpfeln schmücken. In späteren Jahren bekamen wir auch
silberne Kugeln und das Holzspielzeug vom Winterhilfswerk für
den Baum.
Nach alter Tradition begann das hochheilige Weihnachtsfest
frühmorgens um 5 Uhr mit der „Ucht“. Das ist der westfälische
Name für die Christmette. Schon ab halb fünf hörten wir die
ersten Kirchenbesucher herbeiströmen. Die Kirche war schnell
überfüllt, deshalb durften wir mit unserem Vater auf die
Orgelbühne. Vater musste an Festtagen in drei Gottesdiensten die
Orgel spielen. Wir waren stolz, wenn um Schlag 5 Uhr Vaters
brausendes Orgelspiel die Kirche mit Weihnachtsjubel erfüllte.
Ich glaube, allen Gläubigen in der Kirche ging das Herz auf beim
Singen des Liedes „Stille Nacht, heilige Nacht“.
Dieser festliche Gottesdienst dauerte sehr lange. Am Hauptaltar
und an beiden Seitenaltären wurden in den prachtvollen
Weihnachtsgewändern Heilige Messen gelesen. Jeder Katholik war
verpflichtet, am Weihnachtsfest drei Heilige Messen „mit Andacht
zu hören“.
Bei uns Kindern wuchs die Spannung auf die Bescherung, sodass
wir nach dem letzten Segen schnell nach Hause liefen – auch,
weil es in der Kirche sehr kalt war. Unsere Mutter hatte in der
Zwischenzeit eine Weihnachtswohnung gezaubert. In der Küche war
es schön warm, die Herdplatte glühte. Der Tisch war für das
Weihnachtsfrühstück gedeckt.
Mit
großem Jubel und „Frohe Weihnacht“ wurde jeder begrüßt. Ich
glaube, wir Kinder waren in unserer Spannung kaum zu ertragen.
Mutter hatte die Öfen in den Zimmern angeheizt. Endlich
verschwand unser Vater ins Weihnachts-zimmer. Wir Kinder
stellten uns auf, die Jüngste zuerst, und warteten auf das
Schellen. Wenn Vater die Tür weit öffnete, zogen wir singend vor
den Weihnachtsbaum. Alle Kerzen brannten. Es duftete köstlich
nach Weihnachtsplätzchen.
Die Weihnachtsgeschichte wurde verlesen, und jedes Kind trug ein
Gedicht vor oder spielte auf dem Klavier oder der Geige. Unser
Blick ging allerdings immer wieder zum Gabentisch, bis wir
endlich zu unserem Platz gehen durften. Die Kleinen fanden ihre
geliebte Puppe wieder, die vor Wochen auf geheimnisvolle Weise
verschwunden war. Jetzt hatte sie neue Kleider, und das kaputte
Auge war auch wieder gesund. Sogar ein neuer Puppenwagen war
dabei oder eine Puppenstube mit Balkon. Die größeren Kinder
spielten das neue Quartett, und meine Schwester Clementine las
schon in ihrem Buch, das sie sich so sehr gewünscht hatte.
Die Weihnachtsteller waren reich gefüllt mit selbst gebackenen
Plätzchen, Nüssen, einem schönen Apfel, später sogar Feigen oder
Datteln und eine Apfelsine, uns bis dahin unbekannte Früchte.
Man aß wenigstens drei Tage lang von einer Apfelsine. Die ersten
Apfelsinen waren noch ziemlich sauer, darum stellte Mutter uns
eine Untertasse mit Zucker hin. Jedes Apfelsinenstückchen wurde
in Zucker gedreht und mit Genuss verspeist.
Als später jedes Kind eine ganze Tafel Schokolade auf seinem
Teller fand, fühlten wir uns sehr reich, denn eine Tafel
Schokolade kostete mehr als fünf Mark.
Die Freude und Begeisterung aus diesen Jahren bleiben mir
unvergesslich.
Nach der Bescherung waren wir gespannt, was unsere Freundinnen
vom Christkind bekommen hatten. Mit meiner Schwester Maria
rannte ich über den Wilhelmsplatz zu Kathrinchen. Dort
bestaunten wir zuerst die Krippe, die von den großen Brüdern
aufgebaut worden war. Sie füllte ein Drittel des
Weihnachtszimmers aus und war mit Wasserfall, Seen, Gräben,
Bergen und vielen Tieren ausgestattet.
Am
zweiten Weihnachtstag besuchten viele Familien beim
Sonntagsspaziergang die drei Kirchen der Stadt. Nicht nur für
die Kinder war die „Paterskrippe“ im Franziskaner Kloster
besonders schön. Sogar der heilige Franziskus mit dem Vögelchen
auf der Schulter schaute von der Seite her zu. Man erzählte uns,
er habe die erste Krippe aufgebaut. Jeder von uns warf einen
Groschen in die Sammelbüchse des Negerkindes und freute sich,
wenn es zum Dank nickte.
Es war üblich, an den folgenden Sonntagen nach Einbruch der
Dämmerung befreundete Familien zum „Krippkes bekieken“ zu
besuchen und am „brennenden“ Tannebaum (so sagte man, denn es
gab nur echte Kerzen am Baum) zu singen und Weihnachtsgedichte
aufzusagen. Zur Belohnung durften die Kinder etwas Süßes vom
Tannenbaum nehmen. Ein besonderes Erlebnis war der Tannenbaum
bei Rieländers. Sie hatten einen drehbaren Christbaumständer mit
einer eingebauten Spieluhr, die „Vom Himmel hoch, da komm ich
her...“ spielte. Wir konnten um den rundum geschmückten Baum
herumtanzen. Wenn der Tannenbaum nadelte, durfte alles Essbare
„geplündert“ werden.
Das war das Ende der wunderschönen Weihnachtszeit.
Die Autorin Eugenie Haunhorst geb. Göcke wurde 1912 in
Warendorf geboren und wuchs in einer Lehrerfamilie mit vier
Geschwistern auf. Im Alter von 90 Jahren begann sie,
Erinnerungen aus ihrem Leben im Warendorf der 1920er Jahre
aufzuschreiben. Sie starb 2016 im Alter von 103 Jahren.
Bilder: Archiv der Altstadtfreunde Warendorf
An die Bezirksregierung Münster, Dez. 25,
Domplatz 1-3
48143 Münster
Warendorf, am 10.12.2025
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Heimatverein Warendorf nimmt Bezug auf § 73 (4)
Verwaltungsverfahrens-gesetz und erhebt Einwendung gegen den
vorgelegten Planfestellungsentwurf.
Abschnitt 5.7. des Erläuterungsberichts (S. 76f). räumt
ein, dass "die Überreste der Warendorfer Stadtlandwehr sowie der
nördlich des [ehemaligen] Leprosenhauses gelegenen
Georgskapelle" teilweise überplant seien. Zwar würde "ein
sachgerechter Umgang mit den vorhandenen Bodendenkmälern und
[eventuellen] archäologischen Befunden" gewährleistet, aber es
wurden keine konkreten Maßnahmen eines solchen „sachgerechten
Umgangs“ ausgeführt.
Die bei der nicht mehr existierenden Georgskapelle
befindliche (untertägige) Bestattungsanlage wird allerdings
weder erwähnt noch lokalisiert.
Die ober- und untertägig erhaltenen Überreste der
Warendorfer Stadtlandwehr stellen als Bodendenkmal ein
wertvolles, somit schützenswertes Kulturgut dar.
Die durch § 14 (3) nrw. Denkmalschutzgesetz vorgeschriebene
Sicherung kann bei der aktuell vorgesehenen Überplanung nicht
beachtet werden.
Zudem findet § 17 in Verbindung mit § 16 (1) keine
Beachtung: Da im Zuge der geplanten Bauarbeiten weitere
Bodendenkmäler gefunden werden könnten, müssten diese nach ihrer
Entdeckung dem Land NRW bis zu sechs Monaten zur Erkundung zur
Verfügung stehen. Der Planentwurf räumt hier eine zu geringe
Frist ein.
Der dargelegte Sachverhalt macht es zwingend
erforderlich, durch Verlegung der Trasse den vollständigen
Erhalt dieser historischen Bodendenkmäler sicherzu-stellen.
Für die Eingangsbestätigung bitte ich, die oben
angegebene mail-Adresse zu nutzen.
Mit freundlichem Gruß

Der erste Warendorfer Bahnhof von 1887
Der 8. Februar 1887 war ein denkwürdiger Tag für Warendorf: Zum ersten Mal fuhr ein Zug in den neu erbauten Bahnhof an der Wallpromenade ein. Auf dem Bahnsteig, damals noch „Perron“ genannt, standen die Honoratioren der Stadt zur Begrüßung bereit, unterstützt von der Stadtkapelle, die „Ein Hoch auf den Kaiser“ spielte. Nun endlich hatte das aufstrebende Landstädtchen den Anschluss an die große, weite Welt bekommen, dafür hatte der Textilfabrikant Hermann Josef Brinkhaus viele Jahre lang gekämpft. Voller Stolz blickten die Warendorfer auf das prachtvolle Bahnhofsgebäude im neugotischen Stil, das sinnigerweise die Form einer Lokomotive hatte.

Schon nach 15 Jahren, im Jahr 1902, wurde dieser
Bahnhof überflüssig. Neben der Ost-Westverbindung nach Münster und Rheda
entstand eine neue Nord-Süd-Bahnlinie. Die Westfälische Landeseisenbahn
hatte eine Strecke von Warendorf über Freckenhorst, Ennigerloh nach
Neubeckum angelegt. Die Bahntrasse konnte aber nicht so gebaut werden,
dass sie am bestehenden Bahnhof mündete, das Lehrerseminar und die
Häuser an der Breede standen im Weg. So musste man sich 1902
entschließen, etwa 500 m weiter westlich einen neuen Bahnhof zu bauen.
Dort konnten sich die beiden Bahnlinien treffen. Vorher wurden aber noch
die Geleise hinter den „Alten Bahnhof“ gelegt - heute verläuft die B64
auf der alten Bahntrasse.
Das alte Bahnhofsgebäude musste nun eine neue
Verwendung finden. Lange wurde es als Finanzamt genutzt und von der
Familie des Seminarlehrers Arthur Rosenstengel bewohnt, der das
ehrwürdige Gebäude zusammen mit seinen 10 hochmusikalischen Kindern mit
den Klängen der Geigen, Harfen, Klarinetten und Trompeten erfüllte. Mit
den Jahren wurde der „Alte Bahnhof“ immer sanierungsbedürftiger und
stand viele Jahre lang leer. Es gab mehrere Pläne, die aber immer den
Abbruch des „Alten Bahnhofs“ vorsahen. Die Stadt widerstand klugerweise
diesen Abbruchanträgen. Vor einigen Jahren kaufte dann ein mutiger
Warendorfer Unternehmer den großen, sehr heruntergekommenen „Alten
Bahnhof“ und verwandelte ihn in elfmonatiger Bauzeit in ein modernes
Büro- und Praxisgebäude. Das historische Aussehen in Lokomotiven-Form
wurde erhalten, die Außenfassade konnte mit neuer Strahltechnik
vorsichtig gereinigt werden und erstrahlte bald im alten Glanz. Das
Innere bekam eine moderne Gestaltung. Im April 2013 wurde der sanierte
„Alte Bahnhof“ der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt und schmückt
heute als beherrschendes Gebäude wieder die Wallpromenade.
Wie gut, wenn nicht sofort der Abbruchbagger kommt,
es findet sich irgendwann doch noch eine gute Lösung.

Der "Alte Bahnhof nach der Sanierung von 2013
Turbulente 15 Jahre im Heimatverein: Rückblick der Vorsitzenden Mechtild Wolff
Vor 80 Jahren: Die letzten Tage des 2.
Weltkriegs in Warendorf Ostern 1945
Das Portrait: Dr. h.c. Heinrich Windelen
Aus Anlass des Denkmaltages am 8. 9. 2024:
Motto: "Wahrzeichen - Zeitzeugen der Geschichte"
Der Warendorfer Bürger-Schützenhof – eine
Erfolgsgeschichte mit traurigem Ende
Der erste große Stadtbrand von Warendorf aus dem Jahre 1404
Das Portrait: Joos Brandkamp, Kirchen- und Kunstmaler
(1905 - 1983)
von Mechtild Wolf
100 Jahre Frauenwahlrecht - Erinnerungen an Clara
Schmidt in Warendorf und die Frauenbewegung
Clara Schmidt und die Frauenliste
Fakten und Historie
Heimatfest Mariä Himmelfahrt
Erlebte Geschichte: Mariä Himmelfahrt in den 1920er
Jahren von Eugenie Haunhorst
Unser engagiertes Ehrenmitglied Kurt Heinermann verstarb
im Alter von 91 Jahren
Anni Cohen und ihre Familie - von Warendorf nach Südafrika und Palästina
von Mechtild Wolff
Eduard Elsberg erbaute das erste große Kaufhaus in Warendorf
von Mechtild Wolff
Der
Elsbergplatz
von Dr. Bernward Fahlbusch
Das Fahrrad, ein wertvoller Besitz
von Eugenie Hauenhorst
Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Neue Bahnhof" in Warendorf von Mechtild Wolff
Aus der Warendorfer Eisenbahngeschichte:
Der "Alte Bahnhof" in Warendorf
Der Warendorfer Friedhof - Spiegel der Stadtgeschichte
Gebr. Hagedorn und Co, eine Landmaschinenfabrik mit Eisengießerei
Das Dezentrale
Stadtmuseum
ist in der Regel an Sonntagen von 15:00 - 17:00 Uhr geöffnet. Dazu
gehören das Rathaus, das Bürgerhaus Klosterstraße 7 mit den
handgedruckten Bildtapeten und das Gadem am Zuckertimpen 4
Der Eintritt ist frei.

